Journalistin Sandra Winkler sieht sich als Mutter dauernd mit ungewöhnlichen, aber wiederkehrenden Verhaltensmustern ihrer Kinder konfrontiert. In ihrem „Kinderverstehbuch“ geht sie diesen auf den Grund und versucht, die unterschiedlichsten Fragen mit Hilfe neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse zu beantworten. Die Erklärungen würzt sie mit Humor und stützt sich auch auf eigene Beobachtungen, wodurch sie sicherlich vielen Eltern aus der Seele spricht. Warum trödeln Kinder so? Warum schmeißen Kinder alles runter? Warum sind sie so gut in Memory?

Jahr: 2020 | Seiten: 320| Verlag: DTV

Liebevoll illustriert

Es ist ein recht schmales, von Isabell Klett liebevoll illustriertes Büchlein, das an zwei-drei Abenden ausgelesen ist. Kurzweillig und unterhaltsam, aber dennoch kein „Verstehbuch“, wie der Titel suggeriert. 

Einige Antworten schlichtweg oberflächlich

Und genau hier liegt mein Hauptkritikpunkt. Viele Fragen hätte man auch bündeln und alle auf einmal beantworten können. So hätte vermieden werden können, dass beispielsweise auf die Fragen Warum lieben alle Jungs Bob den Baumeister?, Warum sind Jungen so wild?, Warum haben Mädchen die rosa Phase? und Warum heißt es irgendwann Jungs gegen Mädchen? sehr ähnliche, fast schon gleiche Antworten folgen. Erklärungen auf manch andere Fragen sind oft oberflächlich und plakativ: „Kinder sind eben neugierig“, „sie wollen sich mit der Welt intensiv auseinandersetzen“ oder „Die Kinder schaukeln, weil es ihnen Spaß macht“. 

Aber auch in Erläuterungen, die auf wissenschaftlichen Studien basieren, erkennt man nicht immer den Argumentationsstrang. Sandra Winkler gibt zwar die Quellen am Ende des Buchs an, aber man erkennt beim Lesen nicht sofort, welche Aussage zu welcher Quelle gehört. So vermischen sich ihre eigenen Beobachtungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und alles wirkt ein wenig durcheinander.

Dennoch recht unterhaltsam und kurzweilig

Trotzdem war das Buch recht informativ und unterhaltsam. Ganz spannend, wenn auch recht kurz, fand ich unter anderem die Kapitel „Warum sind die Geschwister meist so verschieden“ und „Warum spucken Kinder beim Autofahren?“. Auf einige Aha-Erlebnisse darf man sich beim Lesen trotz aller Kritik freuen. 

Fazit

Die Stärke des Buchs liegt eindeutig in seinem tollen Schreibstil, dem Humor und den Illustrationen. Wer gerne Kolumnen liest, dem wird dieses Buch sicherlich gefallen. Wunderbar geeignet finde ich „Das Kinderverstehbuch“ als Geschenk für frischgebackene Eltern, aber auch für alle, die einen kleinen Blick in die Köpfe unserer Sprösslinge riskieren möchten.


Eine Leseprobe gibt es hier: