Nein, das ist kein Tippfehler – hiermit präsentiere ich mit einem Monat Verspätung meinen Lesemonat Oktober 2020. Auch wenn es hier auf dem Blog in letzter Zeit nicht viel los war, habe ich fleißig gelesen bzw. Hörbuch gehört und im Oktober insgesamt 6 Bücher beendet. Darunter ist ein Bestseller über Corona, ein Krimi, der mich positiv überrascht hat, ein rasantes Abenteuer in virtuelle Welten von der Jugendthriller-Queen Ursula Poznanski, ein Sachbuch über moderne Kunst und eine Liebesgeschichte. Alle Bücher bis auf eins kann ich empfehlen. Lest nach, von welchem Buch ich eher abraten würde.

Mitreißend und packend – so war „Wenn Engel brennen“ von Tawni O’Dell

Das ist DIE Überraschung des Monats! Atmosphärisch und authentisch, beklemmend und spannend – dieses Buch hat bei mir die Lust auf Kriminalromane entfacht, die ich vor allem jetzt im Dezember auslebe. Darüber werde ich aber später noch berichten. 😉 Zunächst einmal zum Inhalt. Der ist eigentlich nicht wirklich spektakulär:

In einem abgelegenen und trostlosen Ort namens Buchanan wird eine Frauenleiche gefunden, in einer glühenden Erdspalte deponiert. Die Polizeichefin Chief Carnahan nimmt sich dem Fall an und wird mit Grausamkeiten konfrontiert, durch die nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit ins Wanken geraten. 

Das Besondere an diesem Krimi ist nicht der Plot, sondern die Menschen, die die Autorin sehr realistisch und authentisch gezeichnet hat. Nicht selten bleiben die Charaktere in Krimis oder Thrillern zugunsten der Handlung auf der Strecke. In diesem Buch ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die Handlung entwickelt sich zwar langsam, aber ich habe mich aber zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Ganz oft habe ich mir eingebildet, die Auflösung zu kennen und wurde doch einige Male mit unerwarteten Wendungen überrascht.

Alles in allem war „Wenn Engel brennen“ ein Glücksgriff und hat in mir den Wunsch geweckt, unbedingt mehr von der Autorin lesen zu wollen. Leider ist bisher nur dieser eine Roman ins Deutsche übersetzt worden. Ich hoffe, es kommen ganz bald weitere! 


Virtuelle Realität im Jugendthriller: „Cryptos“ von Ursula Poznanski

Diese Jugenddystopie (meine Rezension kommt bald) habe ich unglaublich gern gelesen, auch wenn für mich nicht alles in diesem Buch rund war. Trotzdem beweist Ursula Poznanski wieder aufs Neue, dass sie tolle Ideen und einen wunderbaren Schreibstil hat, weshalb das Buch sich ganz schnell weglesen lässt.


Leichte Lektüre – „Save Me“ von Mona Kasten

Ruby Bell ist eine ehrgeizige Schülerin und möchte sich von niemandem von ihrem Ziel abbringen lassen. Von einem Tag auf den anderen tritt James Beaufort in ihr Leben und ihr Alltag wird gehörig durcheinander gewirbelt. Er ist der Sohn einer sehr berühmten und wohlhabenden Familie in England und verhält sich exakt so, wie die Klischees es in diesem Fall vorschreiben: selbstverliebt, arrogant und hochnäsig. Als Leser verfolgt man wie das Verhältnis zwischen den beiden sich nach und nach transformiert – aus Hass wird Liebe, die allerdings erst einige Hindernisse und Missverständnisse überwinden muss. Ob es ein Happy End gibt? Es gibt eine Fortsetzung, weshalb man sich schon von vornerein denken kann, dass es nicht so eindeutig ausfallen wird wie vielleicht gewünscht.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen, auch wenn man ihr an einigen Stellen sicherlich Oberflächlichkeit vorwerfen kann. Als gute, leichte Unterhaltung allerdings empfehlenswert.


Utopie oder doch Dystopie? „Qualityland“ – Marc-Uwe Kling

Als Fan der Känguru-Chroniken musste ich einfach das neue Werk von Marc-Uwe Kling lesen. Ob es mit den anderen Büchern mithalten kann? Ja! Und wie! Es ist immer noch scharfsinnig, zynisch, lustig und originell. Herr Kling hat sich in die (nicht so) ferne Zukunft begeben und das Qualityland prophezeit, ein Land, in dem alles für den Menschen optimiert und benutzerfreundlich gestaltet ist. Jeder hat eine passende Arbeit und einen seinem Charakter und Persönlichkeit entsprechenden Partner. Die Algorithmen analysieren alles und jeden, um so das bestmögliche Ergebnis für jeden zu erreichen. Die Menschen in Qualityland können sich nur noch zurücklehnen und diese Fürsorge genießen. Das würde auch Peter Arbeitsloser gerne weiterhin tun, doch eines Tages bekommt er unerwartet und unerwünscht ein Paket zugestellt mit einem noch unerwartetem Inhalt (Achtung! 18+). Seine Versuche, dieses Paket zurückzugeben misslingen, denn der Algorithmus ist überzeugt, dass Peter unbedingt dieses Päckchen braucht. Und Maschinen irren sich bekanntlich nie. Peter lässt diese Frechheit nicht lange auf sich sitzen und beschließt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Gegenteil zu beweisen. Ein ungleicher Kampf zwischen dem System und Peter entfacht, das grandiose Wortspiele (wie kommt der Autor nur auf solche Ideen?), eine originelle Idee und eine gelungene Umsetzung liefert.

Wenn ich etwas kritisieren würde, dann wäre es die Sprache. Diese hätte an einigen Stellen weniger derb sein können. Auch der Hauptcharakter ist nicht ganz rund und überzeugend, worüber man aber ruhig hinwegsehen kann, da dieses Buch eine wunderbar bitterböse Utopie (oder vielleicht doch Dystopie?) auf unsere Gesellschaft ist, die das Vernetzsein ganz beiläufig zum obersten Ziel erklärt hat.


„Moderne Kunst. 50 Fragen“

Das Hörbuch erklärt die wichtigsten Strömungen der modernen Kunst seit Anfang des 20. Jahrhunderts, erläutert die Arbeitsweise, mit der moderne Künstler arbeiteten und auch heute noch arbeiten und verdeutlicht, wie unterschiedlich der Begriff der „modernen Kunst“ definiert wird. Kurzweilig und informativ – hat mir sehr gut gefallen!


Eine neue Definition von objektiv: Corona Fehlalarm?: Daten, Fakten, Hintergründe von Karina Reiss, Sucharit Bhakdi

Dieses Buch erschien bereits Ende Juni 2020 und so kann man dem Buch heute mangelnde Aktualität vorwerfen. Nichtsdestotrotz war ich sehr neugierig, welche Fakten, Daten und Hintergründe die Autoren in ihrem Beststeller zum (leider) immer noch aktuellen Geschehen mitteilen. Das Buch fängt eigentlich ziemlich interessant an und man bekommt hier ein paar Hintergründe zu diesem Thema. Allerdings driften die Autoren ganz bald in die Polemik ab. Es entsteht der Eindruck, die Autoren hätten von Anfang die nötige Weitsicht gehabt, deren Mangel sie den hiesigen Politikern vorwerfen. Das wirkt zuweilen vermessen und nicht realitätsnah. Gegen Ende des Buchs verändert sich der Schreibstil ganz stark, wird mehr persönlich und wertend. Die Autoren wählen Formulierungen, die man weder als sachlich noch als professionell bezeichnen würde. Fast schon salopp und ausfallend werden sie im Abschnitt über die Maskenpflicht. „Wie dumm muss man eigentlich sein?“ – mit dieser Frage wird dieser Abschnitt eingeleitet. Ich habe das Buch zwar bis zum Schluss durchgelesen, aber neue Fakten, Daten und Hintergründe habe ich am Ende nicht gewonnen.

Mein Fazit: Kritik an Entscheidungen während der Pandemie und neue Einblicke und Sichtweisen sind gut und sinnvoll, doch informieren und argumentieren geht anders.


In der Euphorie über den gelungen Lesemonat Oktober (der November war lesetechnisch ebenfalls toll!) habe ich mir bis zum Ende des Jahres einiges an Büchern vorgenommen. Ich möchte vor allem bereits Angefangenes beenden und meine Lesechallenge über 50 Bücher in 2020 schaffen. Motiviert bin ich allemal und hoffe, dass meine Vorhaben auch zeitlich machbar sind.